Mit der neuen 1200er Tiger in den Westerwald

Für diese Ausfahrt im Herbsturlaub haben wir uns von unserem Triumph-Händler die neue (2018er) Tiger 1200 XRT ausgeliehen.
Ich durfte sie bereits fahren, als ich meine 800er zur ersten Inspektion abgegeben hatte.

Bild von der ersten Ausleihe


So möchte ich Euch zum einen die Strecke zeigen, die wir spontan und ohne groß zu überlegen gefahren sind und zum anderen meine Eindrücke schildern - die teilweise auch einer gewissen Selbstironie unterliegen.

Letztere  - die Eindrücke - können natürlich nur laienhaft von mir sein und sind daher sehr subjektiv.


Am Vormittag des Tages sind wir mit meiner 800er XCx nach Bonn-Geislar gefahren und haben bei Stephan Baldauf und seinem sympathischen Team erst einmal einen leckeren Cappuchino getrunken, bevor wir die Einweisung in das Motorrad bekommen haben.

Anschließend machten wir es uns auf der 1200er bequem, wobei meine - von der Körperhöhe kleinere - Frau feststellte, dass das Aufsteigen als Sozia auf der 1200er doch mehr Kraftaufwand in den Beinen benötigt, als dies bei der 800er nötig ist - ist die 1200er doch ein Stück weit höher.

Nun galt es loszufahren.
Schlüssellos natürlich - obwohl das vom Wort her nicht ganz richtig ist.
Schließlich hatten wir ja den Transponder dabei.

Da die 1200er als Vorführer logischerweise keinen Tankrucksack und keine Koffer an Bord hat, verzichteten wir auf die obligatorische Thermoskanne und das Navigationsgerät.
Auf die Systemkamera kam das kleinste Objektiv, damit sie in die Brusttasche der Motorradjacke passte.

Und los ging es.



Natürlich gaaaanz vorsichtig.
Immer die "Selbstbeteiligung" vor Augen. 😉

Schon beim Anfahren merkt man, dass die 1200er sehr kraftvoll ist.

Kurzvergleich 1200er (800er):
  • 141 PS (95 PS)
  • Trockengewicht von 242 kg (199 kg)
  • Breite, Lenker 830 mm (795 mm)
  • Höhe ohne Spiegel 1470 mm (1350 mm)
  • Sitzhöhe 835 - 855 mm (810 - 830 mm)

Die 1200er flößt einem schon Respekt ein - wenn man sie noch nicht wirklich lange gefahren ist.

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Über Meindorf und St. Augustin fahrend, erblicke ich das Hinweisschild auf die Fahrtrichtung nach Hennef und sogleich habe ich auch schon eine Strecke im Hinterkopf, die ich angehen will.

So passieren wir die Autobahnab- bzw. -auffahrt der A560 und fahren in Richtung Allner.
Eigentlich wollte ich zur Stadt Blankenberg und der dortigen Burgruine fahren, hatte aber - ohne Navi - diese Fahrstrecke nicht mehr im Kopf abrufbar.

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Apropo Navi: ich möchte es beim Motorradfahren nicht mehr missen; allerdings war ich dann doch positiv überrascht, dass es meinem Fahrstil in unbekannten Gefilden und kurvenreichen Strecken tatsächlich keinen Abbruch tut, es eben nicht dabei zu haben.
Ich denke, es ist eine reine Kopfsache.



Die Sozia bemerkt übrigens, dass die Sitzbank auf der 1200er auf jeden Fall komfortabler ist.

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Es geht nun in das Bröltal hinein.
Zugegeben: breitere Straßen, aber kurvenreicher.
Für mich persönlich im Herbst kein Abbruch - zumal mit einem Motorrad, welches man neu fährt.

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Irgendwie will ich mich nicht so richtig an den Schaltassistenten gewöhnen.
Das liegt aber nicht an dem Assistenten selbst, sondern spielt sich ausschließlich in meinem Kopf ab.
Butterweich lassen sich die Gänge hochschalten. Jedesmal ein komisches - weil ungewohntes - Gefühl.
Beim Runterschalten habe ich den Bogen noch nicht so wirklich raus.
Also weiterhin per Hand Kupplungshebel ziehen und mit dem Fuß schalten.

Was sagt der Rheinländer: "wat der bur nit kennt, dat friss hä nit!" 😄

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In der Nähe von Winterscheid passieren wir die Burg Herrnstein.

Burg Herrnstein geht auf ein um 1300 erbautes einfaches befestigtes Haus zurück, das im Besitz der Herren vam Steyne (vom Stein) war.
Die Außenanlagen der Burg können (meistens jeden ersten Samstag im Monat ab 11:00 Uhr) besichtigt werden. Eine Besichtigung des Burginnern ist nicht möglich (Quelle).


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Kurz vor Ruppichteroth zeigt die Tankuhr an, dass demnächst ein Tankstopp ansteht und wir nach dem "derzeitigen Verbrauch" noch etwa 60 km weit kommen.

Ok. Dann tanken wir doch gleich voll.
Moment. Tanken? Keyless System?
Ein Blick auf den Tankdeckel: er ist nur mit Schlüssel zu öffnen.
Oh oh. Müssen wir jetzt zurückfahren?

Kurz überlegt. Rechts rangefahren und den Transponder angeschaut.
Puh. An diesem ist der Schlüssel seitwärts eingeklappt.

Hätte ich auch gleich drauf kommen können. 😄

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Unser nächstes Ziel ist schnell angefahren: Waldbröl.
Gleichzeitig auch der erste der beiden Wendepunkte auf unserer Tour.
Unser nächstes Ziel wird Windeck-Roßbach sein.

Doch zuvor orientieren wir uns an den Hinweisschildern zum "Naturerlebnispark Panarbora", der kurz vor / hinter Waldbröl zu finden ist und fahren selbigen an.


Der Name Panarbora setzt sich aus dem lateinischen Wort für Baum "Arbor" und dem griechischen "Pan" zusammen, der Hirtengott und Gott des Waldes und der Natur in der griechischen Mythologie.
Der Betreiber ist seit 2015 das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Rheinland e.V..
Die Kosten des Parks beliefen sich auf 13,7 Millionen Euro.
Zum Park gehört ein 1635 Meter langer Baumwipfelpfad in bis zu 23 Metern Höhe und ein Aussichtsturm. Dieser insgesamt 40 Meter hohe Aussichtsturm verfügt über eine Aussichtsplattform in 34 Metern Höhe (Quelle).

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2016 war ich mit einer Wandergruppe auf dem Waldmythenweg unterwegs.
Dieser führt an einer Stelle an dem Baumwipfelpfad vorbei.

Bild von der Wanderung 2016

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Es folgt ein kurzes Wegstück (Schladern-Ring), welches für Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen gesperrt ist (siehe auch Übersicht Streckensperrungen beim Tourenfahrer).
Wir haben jedoch Mittwoch, also alles gut.
Ansonsten halt der "Umleitung" folgen.

Wie ich beim Schreiben dieses Berichtes in Erfahrung bringen konnte, gab es hier viele tödliche Unfälle.
Fast keine Kurve, in welcher es keinen Unterfahrschutz zu sehen gibt.

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Wir erreichen wieder die Sieg bei Windeck-Roßbach und beschließen und kurzfristig und unangemeldet bei dort wohnenden Freunden zum Kaffee einzuladen.

Also erst die steilere Straße hinauf gefahren, kurz gewendet und wieder hinab gefahren, um an der Zufahrt bergabwärts zu parken.

Bloß beim Absteigen nirgendwo am Motorrad hängen bleiben und es so in der Schräge umwerfen.

Leider sind unsere Freunde selber unterwegs und so setzen wir die Fahrt fort.

Bloß beim Aufsteigen nirgendwo am Motorrad hängen bleiben ... 😄



Wir fahren nun bis kurz vor Hamm (Sieg), um rechts in Richtung Kloster Marienthal abzubiegen.

Es wird kurviger und ich merke den Unterschied von der 1200er zu meiner 800er nun deutlicher.
Während sich die 800er wie ein Fahrrad in die Kurven bringen lässt, muss ich bei der 1200er doch etwas mehr "Kraft" aufwenden und sie in die Kurven drücken.

Ich denke, wenn man sich daran gewöhnt hat, ist dies nichts Besonderes mehr.

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Die nächste Rast ist dann nicht mehr weit: das besagte Kloster.


Die Geschichte des Klosters geht zurück bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nach der Gründungslegende soll ein Hirte ein Bildnis der Muttergottes geschnitzt und an der Stelle aufgestellt haben, an der um 1460 die erste Kapelle errichtet wurde.
Den Namen „Marienthal“ („Mergendaell“) erhielt die Kapelle 1489, als der Kölner Weihbischof Johann Spender einen neuen Altar in der Pilgerkapelle einweihte. Weil die Kapelle zu klein wurde, wurde in der Zeit von 1494 bis 1503 eine dreischiffige gotische Kirche errichtet und unter das Patrozinium der Schmerzhaften Mutter gestellt. 1502 wurde der Glockenturm mit einem hohen Spitzdach hinzugefügt, 1511 erhielt die Kirche eine 1.800 Pfund schwere Glocke, die 1828 an die Florinskirche in Koblenz verkauft wurde. Die Klostergründung im Marienthal erfolgte 1666 durch Graf Salentin Ernst von Manderscheid (Quelle).

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Über Hilgenroth geht es bis nach Altenkirchen, wobei wir hier nach Neitersen abbiegen.


Über Flammersfeld nähern wir uns der A3 und fahren einen amerikanischen Schnellimbiss in Willroth an.

Motorrad abgestellt und hinein.
Keine Sicht auf das Motorrad.

Beim genüsslichen Pommesknabbern dann plötzlich leichte "Panik" (nee, so schlimm war es nicht).
Beim eigenen Motorrad wird die Lenkradsperre genutzt und meist auch noch das Bremsscheibenschloss angelegt.

Und hier bei der 1200er? Nix gemacht.
Oh oh.
Dann könnte ja jeder das Motorrad starten. Sie ist ja quasi im "Stand by".

Kurz nachgeschaut. Sie steht - natürlich - noch da.
Zum einen war ich viel zu weit weg, damit das Funksignal noch ankommt, zum anderen hatte ich scheinbar unbewußt mit dem Transponder zudem den Funkkontakt ausgeschaltet.
Also quasi so, wie es mir bei der Ausleihe zur ersten Inspektion auch erklärt wurde.


An was man alles denken muss. 😄





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Von Willroth geht es jetzt ebenso kurvenreich nach Waldbreitbach und von dort aus hinab an den Rhein bei Bad Hönningen.

Unterhalb von Schloß Arenfels fahren wir nun am Rhein entlang in Richtung Bonn.

Zuvor noch eine letzte Pause.


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Es geht nun zurück zum Händler.

Besonders gut gefällt mir die während der Fahrt elektrisch verstellbare Windscheibe.
Auf der Autobahn hochgestellt, ansonsten ganz runtergefahren, um viel frische Luft abzubekommen.

Das hätte ich auch gerne an der 800er.




Und was bekommen wir beim Händler liebevoll direkt wieder angeboten?
Richtig. Einen Cappuchino.

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Noch ein Schwätzchen gehalten, für meine Maschine einen neuen Vorderreifen und für die "beste Sozia" auch noch die Komfortbank zum gleichen Termin geordert.

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Nach einer schönen Ausfahrt mit einem klasse Motorrad, einem wirklich tollen Händler samt Team geht es mit der 800er zurück in den heimischen Stall.

Sicherheitshinweise:

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Wenn Ihr die Tour nachfahren wollt, so geschieht dies auf eigene Gefahr.
Jeder Fahrer / jede Fahrerin ist für seine / ihre Fahrweise und Streckenwahl selbst verantwortlich.
Risiken, welche bei einer Motorradtour auftreten können, werden als bekannt vorausgesetzt.
Der Tourenautor /-ersteller haftet nicht für Schäden vor, während und nach der Tour. 
Insbesondere nicht für Schäden an Motorrad und / oder gesundheitlichen Schäden, die durch Unfall, Verlust, Einfluss Dritter und / oder elementare Einflüsse entstanden sind.
Der Track wird während der Fahrt mit aufgezeichnet. Hierbei sind Abweichungen des Tracks vom tatsächlichen Straßenverlauf nicht ungewöhnlich, erst recht, wenn das GPS-Signal Schwierigkeiten hat. Daher unbedingt dem Straßenverlauf dem mitgezeichneten Track Vorrang leisten.
Eine Haftung ist daher ausgeschlossen.

Track, Übersicht etc.: