Von der Vergangenheit in die Zukunft


Heute sollte es zum Entspannen eine kleinere Rundfahrt werden - zumal das Wetter sich nicht richtig entscheiden konnte. Am frühen Morgen hatte es noch wie aus Eimern geschüttet, zwischenzeitlich hat es aber wieder aufgeklart.

Wir sind einfach immer in die Richtung gefahren, wo eher die "hellen" Wolken zu sehen waren.
Die "dunklen" haben wir gemieden.
Bis auf das letzte Stück der Heimfahrt hat das auch funktioniert.

So ging es (fuhr es ?) eher unspektakulär über Meckenheim nach Rheinbach und über Schweinheim Richtung Bad Münstereifel.

Plötzlich taucht ein Schild kurz vor Iversheim am rechten Straßenrand der B51 auf:
Römische Kalkbrennerei 800 Meter rechts.


800 Meter sind eine gute Entfernung zum "kurzfristigen" Entscheiden.
Bei mir.

Kennt Ihr das? Eure Sozia teilt Euch mit, dass man doch an dem nächsten Café / der nächsten Imbissbude etc. eine Rast einlegen könnte.

Fieberhaft huscht nun der Blick von links nach rechts und wieder zurück.
Wo könnte man ...

Und dann sieht man eine solche Örtlichkeit ...

... an sich vorbeiziehen.

Irgendwie in Zeitlupe fließt sie links oder rechts an einem vorbei.
Der Kopf zieht mit. Mindestens 500 Meter später stellt man dann fest: da ... ja daaaaa hätte man ...

Insofern sind 800 Meter Vorankündigung schon gut ;-)






Wir queren die Bahnschienen am offenen Übergang und fahren ein kleines Stück parallel zurück.



Schnell noch die BMW auf der leichten Schräge sicher abgestellt und die erste Hinweistafel mit den Augen abgetastet.

Wir haben Glück.

Die Kalkbrennerei ist für die Öffentlichkeit von Mai bis Oktober jeden Samstag von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet.

Und da Sonntag ist ...

Wir entrichten den Eintrittspreis von 2,- € pro Erwachsenen und werden wirklich freundlich empfangen.


Die Römische Kalkbrennerei finanziert sich ausschließlich über Spenden, hauptsächlich der Deutschen Kalkindustrie und dem Eintritt.



Der Dorf-Verschönerungsverein Iversheim e. V. kümmert sich auch um dieses historische Gebilde.

Schön, dass es so engagierte Menschen gibt!

Die Kalkbrennerei wurde beim Verlegen einer Wasserleitung entdeckt und ausgegraben.

In einer Werkhalle von 30 Metern Länge waren nebeneinander insgesamt sechs Kalkbrennöfen mit einem Durchmesser von jeweils etwa drei Metern untergebracht (Quelle).

Heute befindet sich über einem Teil der Anlage ein Schutzbau, in dem drei der Öfen besichtigt werden können. Die Ausstellung im Schutzbau zeigt den Grabungsbefund, die Öfen wurden nicht restauriert. Der für den Brennversuch restaurierte Ofen außerhalb des Schutzbaus ist frei zugänglich. Die beiden weiteren Öfen wurden nach der Bestandsaufnahme wieder zugeschüttet (Quelle wie vor).

Die sechs Brennöfen befanden sich ursprünglich unter einem von Stützen getragenen Hallendach von etwa 30 Metern Länge. Eine Mauer teilte die Halle in zwei Arbeitsbereiche von je drei Öfen. Die Halle stand an einem Hang am Rande des Erfttales. Der Steinbruch lag oberhalb der Brennerei, was den Arbeitsablauf vereinfachte (Quelle wie vor).


Nach der Ausgrabung wurde einer der Öfen repariert und rekonstruiert, um einen Brennversuch durchzuführen. Der Brennversuch war erfolgreich und bestätigte die Theorien über die Art der Feuerung und der Beschickung (Quelle wie vor).





Ein Video von einem historischen Kalkbrennen findet sich z. B. hier auf YouTube.
In der Kalkbrennerei Iversheim gibt es aber auch einen entsprechenden Film zu schauen.

Die gezielte Verarbeitung von Kalkstein zu einem vielseitigen Baustoff gehört zu den ältesten und bis heute bedeutendsten technischen Produktionsverfahren. 
Bereits im Altertum war die Kunst des Kalkbrennens weit verbreitet. Als Brennstoff wurde ursprünglich Holz, Torf oder Kohle eingesetzt.
Die ersten Einrichtungen dazu waren sogenannte Meiler, während später einfache Feldöfen ohne Ummauerung eingesetzt wurden
(Quelle).

Nach dieser interessanten Besichtigung - man lernt nie aus - geht es nun weiter bis hinter Bad Münstereifel und dort rechts ab in Richtung Nöthen.

Hier stand auch die älteste Telefonzelle der Erdgeschichte; sie ist auch in der Bibel beschrieben worden: "Wenn Ihr in Nöt(h)en seid, so rufet mich an ..." . ;-)

Weiter geht es nach Holzheim und rechts nach Weiler am Berge.
In der Ortsmitte findet sich ein Hinweis auf den Golf-Club. Wir folgen dem Wegekennzeichen, da sich dort auch der Astropeiler Stockert befindet.

Wir fahren auf der Verbindungsstraße zwischen Weiler a. B. und Eschweiler sehr vorsichtig.
Der heftige Regen in der Nacht zuvor hat einiges an Steinchen auf den Fahrweg geschwemmt.
Vorzugsweise in den Kurven. Nicht ganz ungefährlich.

Kurz vor Erreichen des Ortes Eschweiler fahren wir rechts den schmalen asphaltierten Weg (gleichzeitig Sackgasse) hinauf, bis wir auf das Gelände des Astropeilers Stockert fahren.


Der Astropeiler ist ein Radioteleskop auf dem Berg Stockert in der Eifel.

Auf dem Stockert wurde 1955 bis 1956 mit dem Astropeiler Stockert  Deutschlands erstes Radioteleskop errichtet.

Der Teleskopspiegel hat 25 m Durchmesser und wiegt 90 Tonnen (Quelle).


Bis 1993 nutzten die Universität Bonn und das Max-Planck-Institut für Radioastronomie die Anlage, ab 1979 nicht mehr zu wissenschaftlichen Zwecken, sondern zur Ausbildung von Studenten (Quelle wie vor).







Hier befinden wir uns vor dem 10-Meter-Spiegel.

Laut Hinweis auf der Homepage werden von Mai bis Oktober jeden Sonntag um 14.00 Uhr eine Führung durch die Anlagen angeboten.


Seit 1999 steht die Anlage als Industriedenkmal unter Denkmalschutz. Eigentümer ist seit 2005 die NRW-Stiftung. Der Förderverein hat die Technik modernisiert und das Gebäude für interessierte Besucher geöffnet (Quelle wie vor).




Noch eine Schmuseeinheit mit der Astro-Katze, näh watt schön.







Nun geht es wieder zurück, wobei die "hellen Wolken" nur noch sporadisch zu sehen sind.
Wir beschließen, auf schnellstem Weg zurück zu fahren und schaffen es auch fast, trocken zu bleiben.

Erst auf den letzten Kilometern regnet es - zum Glück aber nicht heftig.


Externe Links:

> Römische Kalbrennerei (Dorf-Verschönerungsverein Iversheim e. V.)
> Römische Kalkbrennerei - Flyer (es öffnet sich eine PDF-Datei)
> Astropeiler Stockert


Fazit:

Kurzweilige, nicht anspruchsvolle Rundfahrt mit zwei sehr interessanten Besonderheiten auf dem Weg. Macht auch Spaß.


Videozusammenschnitt der Tour:



Track, Übersichtskarte - dennoch - hier:



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