Vogelsang (Eifel)


Die Zukunft besser zu gestalten, ist der Vergangenheit einziger Zweck.
[Zitat: Wilhelm Vogel (19./20. Jh.)]

Auf der Suche nach einem Tagesziel für eine Motorradtour blieb ich zufällig in einem Wanderführer Eifel an einem Wandervorschlag hängen: Nationalpark Eifel - Vogelsang.




Heute war es soweit und wir fuhren dort hin.



Da ich inzwischen wirklich begeistert von meinem alten Navigonnavi bin, gab ich als Ziel der Route "Morsbach" ein, wählte "Motorradstrecke" und folgte einem der drei Vorschläge.

Wie kann es anders sein: wir wählten natürlich wieder das Ahrtal als Anfahrtsziel aus.





So ging es von Walporzheim über Dernau, Altenahr, Ahrbrück bis nach Dümpelfeld und von dort aus rechts ab in Richtung Schuld und weiter über die schöne kurvenreiche Strecke hinauf nach Wershofen.
Anschließend über Blankenheim nach Schleiden, wo bereits der Hinweis auf "Nationalpark Eifel / Vogelsang" zu finden ist.

In Morsbach angekommen geht es am Kreisel direkt in den Nationalpark hinein, der nach wenigen Metern jedoch beschrankt ist.
An der Einfahrtsschranke ziehen wir uns ein Parkticket und fahren hernach auf den typischen "Panzerplatten" hin zum Parkplatz der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang.






Nach einem Besuch des provisorischen Informationszentrums und der Kantine folgen wir dann dem etwa zwei Kilometer langen Forumsrundweg zu Fuß.



Die NS-Ordensburg Vogelsang ist ein von den Nationalsozialisten errichteter Gebäudekomplex bei Gemünd/Eifel oberhalb der Urfttalsperre in Nordrhein-Westfalen. Die Anlage diente der NSDAP zwischen 1936 und 1939 als Schulungsstätte für den Nachwuchs des NSDAP-Führungskaders (Quelle).


Der unter Denkmalschutz stehende Teil der Bauwerke umfasst eine Bruttogeschossfläche von mehr als 50.000 Quadratmeter und gilt nach den Parteitagsbauten in Nürnberg mit fast 100 ha bebauter Fläche als die größte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland (Quelle). 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex von britischen Streitkräften übernommen, die im umliegenden Gelände einen Truppenübungsplatz einrichteten. Ab 1950 bis Ende 2005 wurde die Infrastruktur von belgischen Militärstreitkräften übernommen, die unter dem Namen „Camp Vogelsang“ dort eine Kaserne einrichteten und den Truppen-übungsplatz nutzten bzw. verwalteten (Quelle).

1933 forderte Adolf Hitler in einer Rede an der „Führerschule des Sicherheitsdienstes“ in Bernau bei Berlin den Bau von neuen Schulen für den „Führernachwuchs“ der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Mit dem Bau wurde der sogenannte „Reichsorganisations-leiter“ Robert Ley betraut. Ley gab den Bau dreier „Schulungslager“ in Auftrag. Eines dieser Lager war Vogelsang (Quelle).



Am einstigen "Sonnwendplatz" findet sich noch der "Fackelträger".

Es handelt sich um eine Skulptur, die das rassistische Herrenmenschenideal verkörpern sollte.


Am 24. April 1936 wurden die drei Ordens-burgen in einem Festakt an Adolf Hitler übergeben. Wenig später rückten die ersten 500 NS-Junker auf Vogelsang ein. Die hand- verlesenen Lehrgangsteilnehmer kamen aus ganz Deutschland. Voraussetzung waren erste Bewährung in der Parteiarbeit, völlige körperliche Gesundheit, Arbeits- und Militärdienst sowie ein Abstammungsnachweis welcher bis ins 18. Jahrhundert zurück reichte (Quelle).
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges Anfang 1946 erwog die britische Militärverwaltung zeitweilig den Abriss der Ordensburg als herausragendes Symbol des Nationalsozialismus. Im September 1946 beschlagnahmten die Briten 42 km² Land rings um die Ordensburg als Truppenübungsplatz. Im Jahr 1950 wurde der Truppenübungsplatz („Training Area“ Vogelsang) mitsamt der ehemaligen Ordensburg von den Briten an die belgischen Streitkräfte übergeben (Quelle).


Das belgische Militär nutzte das umgebende Gelände ab 1950 ebenfalls als Truppenübungsplatz und errichtete in der Anlage der ehemaligen Ordensburg weitere Gebäude, so den Unterkunftsblock „Van Dooren“, Tankstelle, Truppenunterkünfte für übende Truppen und weitere Nebengebäude zum „Camp Vogelsang“ (Quelle).


Nach Aufgabe des Truppenübungsplatzes steht das Areal der ehemaligen Ordensburg mit den gewaltigen Bauwerken seit dem 1. Januar 2006 einer zivilen Nutzung offen und kann tagsüber besichtigt werden, ein Teil der umliegenden Flächen ist durch Rad- und Wanderwege erschlossen (Quelle).



Beim Kriegsausbruch im September 1939 wurden die Junker entlassen, die Burg Vogelsang wurde der Wehrmacht übergeben. Diese nutzte die Bauwerke zweimal als Truppenquartier: Einmal beim Westfeldzug 1940, danach im Rahmen der Ardennenoffensive im Dezember 1944 (Quelle). 



Ab 1941 waren auf Vogelsang mehrere Klassen sogenannter Adolf-Hitler-Schulen untergebracht.
1944 bestand dort ein Wehrertüchtigungslager, in dem 15 bis 16 Jahre alte Jugendliche aus der Hitlerjugend militärisch ausgebildet wurden. Durch alliierte Luftangriffe wurden einige Gebäude zerstört, darunter der Ostflügel und die Turnhalle (Quelle).






Wieder einmal lastet die deutsche Geschichte schwer auf den Schultern.
Man meint förmlich zu spüren, wie es hier seinerzeit zugegangen sein dürfte und wie der Wahnsinn um sich griff.






Nachdenklich geht es wieder zurück zum Motorrad und wir treten die Heimfahrt an, die uns letztlich über Kall, Bad Münstereifel, Meckenheim zurück nach Hause führt.
An der Ausfahrtschranke vom Nationalpark zahlen wir zuvor noch 3,- € Tagesparkgebühr.


  



Weitere Links / Quellen:

- Nationalpark Eifel

- Vogelsang, Internationaler Platz (IP)


Hier noch die Tourdaten:


GPSies - Von der Ahr nach Vogelsang (Eifel)